Ehrlichkeit gilt als eine der wichtigsten Tugenden in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit, aber sind wir mal ehrlich: Wo begegnet uns denn im Alltag heute noch aufrichtige Ehrlichkeit? In Zeiten von Fake News und unzähligen Halbwahrheiten im Internet, hat Ehrlichkeit und Wahrheit heutzutage nochmal eine ganz neue Bedeutung erfahren. Auch in der Werbebranche kommt es einem oft so vor als wäre Schein wichtiger als Sein. Im Alltag begegnet uns Ehrlichkeit auf ganz verschiedene Arten und Weisen. Viele Alltagsweisheiten und Sprichwörter spiegeln wider, wie wir mit Ehrlichkeit und Unehrlichkeit umgehen und was uns dieser Wert bedeutet.

 

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“
Eine Lüge geht oft leichter über die Lippen als die vielleicht unangenehme Wahrheit. So ist es leicht, mit dem Lügen anzufangen, aber da wieder rauszukommen und aufzuhören, gestaltet sich meistens schwierig. Fliegen die erzählten Lügen dann irgendwann auf, merkt man erst, was sie anrichten können Beteiligte Personen fühlen sich hintergangen, in Freundschaften oder Partnerschaften geht das Vertrauen verloren und zwischenmenschliche Beziehungen zerbrechen. So wie das Sprichwort hier sagt, „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, kann das Lügen nachhaltige Konsequenzen im Umgang miteinander haben. Auf einer Lüge kann keine langfristige Vertrauensbasis wachsen. Wäre es nicht besser, ehrlich zu sein und offen mit unseren Mitmenschen zu kommunizieren, wie es in uns aussieht? Es kann schwer sein, sich Dinge einzugestehen, aber es ist wichtig, sich seine Ehrlichkeit zu bewahren. Bildlich kann man sich Ehrlichkeit wie ein zerbrechliches Gefäß  vorstellen, was ein wertvolles Gut enthält, das man behutsam behandeln muss. Mit jeder Lüge kann ein Riss entstehen, der nicht wieder zu reparieren ist und Spuren hinterlässt.

 

„Lügen haben kurze Beine“
Dieses Sprichwort ist wahrscheinlich das Bekannteste und wohl das mit dem größten Wahrheitsgehalt. Schon als Kind wurden wir früher gemahnt, dass man nicht lügen darf. Man könnte meinen, dass manche das im Erwachsenenalter wieder vergessen haben. Lügen sind vielleicht für einen Moment eine einfache, kurzfristige Lösung, aber langfristig lassen sich damit keine Probleme aus der Welt schaffen. Egal ob kleinere Notlügen (wie man so schön sagt) oder große Lügen: Offensichtlich betrügt man Andere, indem man nicht die Wahrheit sagt, aber betrügt man sich nicht auch selbst? Sich selbst zu belügen führt zu innerer Unausgeglichenheit. Früher oder später kommt immer die Wahrheit ans Licht. Mit konstanten Lügen zu leben, die sich immer mehr verzwicken, kann auch ernsthafte psychische Auswirkungen haben. Aber wie kann man denn immer ehrlich sein? Es gibt viele Arten, wie sich Ehrlichkeit zeigt. Ehrlich sein ist mehr als unangenehme Wahrheiten auszusprechen, ganz ohne Beschönigungen und Herunterspielen. Es gehören auch die kleinen Dinge dazu, wie zum Beispiel seine Meinung frei zu  äußern und authentisch zu sein.

 

Es gibt genug Gründe, um nicht ehrlich zu sein:

  • Unsicherheiten überspielen
  • Andere nicht verletzen
  • Seine Ruhe haben
  • Angst verbergen
  • Ärger ersparen
  • Image vortäuschen
  • Jemanden aufmuntern
  • Gemocht werden

Kommen Dir diese Gründe auch bekannt vor?

 

„Wenn die Maske fällt“
Gründe, um zu lügen kennen wir alle. Der Hauptgrund für die Meisten ist, vor Anderen besser dazustehen. Um den Schein zu wahren, geben wir manchmal vor Jemand zu sein, der wir eigentlich gar nicht sind. Wir tun es der Werbeindustrie gleich, die für Kosmetika und andere Produkte mit beschönigenden und idealisierten Bildern arbeitet.

Die „Maske“, die wir uns aufsetzen kann ganz unterschiedlich aussehen. Die Einen schminken sich ihre Maske oder verändern etwas an ihrem Körper, die Anderen pflegen ihren makellosen Instagram-Feed mit gestellten Fotos und gaukeln deren Follower:innen ein perfektes Leben vor.

Irgendwann merkt jeder, dass eine aufgesetzte Persönlichkeit nicht erstrebenswert ist. Man spielt nicht nur den Anderen etwas vor, sondern ist sich auch nicht selbst treu. Die Maske abzulegen, sich mit sich selbst und seiner eigenen Wahrheit auseinander zu setzen ist eine Herausforderung. Aber sie ist es wert und ist der beste Weg zum authentischen Sein, ohne den Selbstbetrug, der uns heutzutage auch oft im allgegenwärtigen Internet begegnet.

58% der Deutschen lügen täglich, aber wie wird gelogen?


73%

Direktes Gespräch

23%

schriftlich

22%

telefonisch

„Jede kleine Ehrlichkeit ist besser als eine große Lüge“
Ehrlichkeit meint nicht, Rechenschaft ablegen zu müssen. Ehrlichkeit bedeutet Selbstreflektion. Mit einer Lüge lässt sich vielleicht unsere Realität kurzfristig zu unseren Gunsten drehen, damit wir uns besser fühlen. Aber, um wirklich ehrlich zu sein, müssen wir die Dinge manchmal nehmen wie sie sind und das Beste daraus machen. An und mit Ehrlichkeit kann man wachsen.

Jede kleine Ehrlichkeit ist besser als eine große Lüge, denn Lügen gehen oft mit Enttäuschung einher, wenn alles auffliegt. Enttäuschung, Wut und vielleicht Zweifel? Wenn man weiß, dass man gerade einen geliebten Menschen belogen hat, kann man sich dann selbst überhaupt noch im Spiegel anschauen? Vielleicht hat man Selbstzweifel, aber auf jeden Fall hat man nicht nur sich, sondern auch irgendwann dem Gegenüber ein schlechtes Gefühl gegeben. Und … war es diese Lüge dann wirklich wert?

Radikale Ehrlichkeit kann unser äußeres Leben manchmal schwerer machen, aber sie macht das innere Leben immer leichter. Zu lernen, ehrlich zu sich selbst und Anderen zu sein, ist ein Prozess. Ein wichtiger Prozess, um wahre Authentizität kennenzulernen und zu leben, denn wir wissen: Ehrlich währt am längsten.

 

 

Sind wir ehrlich, keiner von uns möchte angelogen werden. Wieso tun wir es dann selbst so oft?

 

 

 

Autoren: Julia Hefele, Stefanie Medve