„Wahrscheinlich ist Leben an sich bereits Streben nach Freiheit.“
So Dr. med. Michael Depner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Wuppertal, in unserem Interview. In den vergangenen zwei Jahren haben wir alle erlebt, was es bedeutet seine Freiheit zur Bekämpfung der Pandemie einzuschränken. Doch nicht nur solche Einschränkungen beeinflussen unsere Freiheit, auch instinktive und unterbewusste Faktoren steuern unser Freiheitsempfinden. Sich mit seiner Freiheit auseinanderzusetzen oder an dieser zu arbeiten, stärkt das eigene Bewusstsein.

 

Die bunte Palette der Freiheit
Die Frage der Freiheit ist eine wesentliche. Allerdings ist es schwer den Begriff ‚Freiheit‘ zu definieren, weil der Begriff komplex und facettenreich ist. Grundsätzlich versteht man unter Freiheit (lateinisch libertas) die Option, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auszuwählen und entscheiden zu können.

Depner unterscheidet in seinem Buch „Seele und Gesundheit“ zwischen innerer und äußerer Freiheit. Die Äußere ist sozial und politisch begründet. Äußerlich frei zu sein heißt, das machen zu dürfen, was man selbst für richtig h lt, also nicht durch andere Entscheidungsinstanzen fremdbestimmt zu sein. Denn oft sind es  u ere Umstände, die unsere Freiheit einschränken. Nicht zuletzt durch die Beschränkungen der Corona-Pandemie. Im Rahmen einer Umfrage zum Freiheitsempfinden an der Hochschule Neu-Ulm, gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass die Beschränkungen Einfluss auf ihr Freiheitsempfinden hatten. Doch Covid sei nur ein winziger Teil vielfältiger Faktoren, die die äußere Freiheit bedrohen, meint Depner. Viele der Befragten gaben an durch den Job, die Familie oder gesellschaftliche Erwartungen sich eingeschränkt zu fühlen.

„Solange ich nicht erkannt habe, wie sehr ich mein eigenes Gefängnis bin, habe ich keine Vorstellung davon, wie ich mich daraus befreien könnte.“

— Michael Depner

Mut zur Freiheit
Stellen wir uns vor, wir sind äußerlich völlig frei. Wir haben keine finanziellen, politischen, sozialen Beschränkungen und Verpflichtungen. Die meisten von uns würden wohl kaum alles stehen und liegen lassen und ihrer großen Leidenschaft nachgehen, beispielsweise einer Weltreise. Auch der Psychologe Michael Depner bestätigt, dass für viele Menschen Freiheit ein sch nes Ideal ist, im Zweifelsfalle würden sie aber Sicherheit wählen. So kann es zwischen den beiden Werten Freiheit und Sicherheit zu einem Konflikt kommen. Das Streben nach Sicherheit kann unsere Freiheit einschränken.

 

 

Mit diesen 5 Tipps fühlst du dich freier:

1. Vergib dir selbst

Wir sollten uns von Schuldgefühlen befreien, denn diese lähmen und belasten uns. Dadurch können wir Entscheidungen nicht frei treffen.

2. Nimm Hilfe an

Im Alltag können wir uns schnell überfordert fühlen. Bitte um Unterstützung und nimm diese auch an. Ein guter Tipp, um geballten Stresssituationen zu entkommen und sich leichter und freier zu fühlen.

3. Meditiere

Schon kurze Meditationen können sich positiv auf unser inneres Gleichgewicht auswirken.
Wir können die Meditations-App 7Mind empfehlen, mit der du Schritt für Schritt mehr Entspannung und Achtsamkeit in deinem Leben findest. Für Studenten ist die App kostenlos, auch einige Krankenkassen erstatten die Kosten.

4. Denk positiv

Oft fokussieren wir uns nur auf die negativen Dinge. Wir sollten uns öfter auf die positiven Punkte konzentrieren und die Situationen, in denen wir uns frei fühlen, mehr schätzen.

5. Setz dir Ziele

Indem wir uns täglich realistische Ziele setzen und diese beim Erreichen abhaken, erleben wir mehr Zufriedenheit und fühlen uns befreiter.

Freiheit wird sehr individuell wahrgenommen und ausgelebt. Deshalb ist es umso wichtiger, seine eigene Freiheit zu hinterfragen und gegebenenfalls an dieser zu arbeiten.

„Der entscheidende Schritt in die Freiheit ist Erkenntnis.“

— Michael Depner

Autoren: Clara Botzenhardt, Pia Miller