Menschen sind soziale Wesen. Wir brauchen die Gesellschaft anderer, um uns wohlzufühlen. Durch die zwischenmenschliche Interaktion werden Hormone freigesetzt, die Stress reduzieren und uns glücklicher, selbstbewusster und positiver stimmen. Dieses Phänomen kann auch in der Online-Welt beobachtet werden. Bei der Nutzung sozialer Medien wird das Glückshormon Dopamin in unserem Gehirn freigesetzt. Insbesondere viele Likes, Follower und Kommentare haben eine erhöhte Dopaminausschüttung im Blut zur Folge. Dopamin motiviert und macht uns auf Dauer süchtig. Das Ergebnis von erhöhter Social Media Nutzung sind schlaflose Nächte und Ablenkung von den wesentlichen Aufgaben im Alltag. Studien zeigen, dass die tägliche Nutzungdauer der Sozialen Medien kontinuierlich steigt. Während 2018 die durchschnittliche Nutzungsdauer noch bei 100 Minuten pro Tag lag, stieg der Wert im Jahr 2020 weltweit auf durchschnittlich 120 Minuten. Dabei hat aber die Nutzung von anderen Medien nicht nachgelassen. Obwohl Soziale Medien eigentlich dazu da sind, Menschen näher zusammenzubringen und miteinander zu vernetzen, resultiert paradoxerweise häufig eine Isolation von der Gesellschaft. Diese kann psychische Probleme, Frustration und Depressionen verursachen.

Myths give us our sense of personal identity, answering the question ‘Who am I?

— Rollo May

Durch die scheinbar makellose und perfekte Welt, die in den sozialen Medien präsentiert wird, entsteht ein trügerisches Bild der Wirklichkeit, an dem sich insbesondere jüngere Generationen stark orientieren und von dem sie sich beeinflussen lassen. Doch daraus resultieren häufig Probleme, denn in der Pubertät beginnt ein Prozess der Selbstfindung. Hierbei definiert sich der Mensch in Abgrenzung zur Gesellschaft und ihren Einflüssen in seinen Eigenheiten und Zielen. Die Selbstfindung wird vor allem durch die bisherige Sozialisation, aber auch durch Vorbilder und Peergroups beeinflusst. Dabei sind die Sozialen Medien wie Instagram oder YouTube nicht hilfreich. Bei der Selbstfindung ist die Selbstwahrnehmung ein ausschlaggebender Faktor.

Unter Selbstwahrnehmung versteht man die Wahrnehmung der eigenen Person. Sich selbst zu kennen, die eigenen Stärken ebenso wie die Schwachstellen, seine Gefühle einordnen und verarbeiten zu können und zu verstehen, wie man selbst auf andere wirkt. Dabei ist die Selbstwahrnehmung der Grundbaustein des Selbstbewusstseins.

We must not allow other people’s limited perceptions to define us.

— Virginia Satir

Influencer stellen für Jugendliche Idole dar, die sie sich zum Vorbild nehmen. Vielen Influencern ist die Tragweite ihrer Vorbildfunktion nicht bewusst. Da es jungen Menschen oftmals an eigenen Erfahrungen und Erlebnissen mangelt, orientieren sie sich an den geteilten Erfahrungen ihrer Vorbilder in den sozialen Netzwerken. Dabei tritt das sogenannte Nachahmungsphänomen auf, wobei Jugendliche dazu tendieren, das Verhalten ihrer Idole zu imitieren und sich mit diesen zu vergleichen.

Dies führt oft zu Unzufriedenheit, da die angestrebten Ideale aus der scheinbar perfekten Welt nicht erreichbar sind. Außerdem steigt die Angst, von der Gesellschaft nicht anerkannt zu werden. Insbesondere das Nacheifern der vermittelten Schönheitsideale lässt das Selbstwertgefühl sinken und löst eine verzerrte Selbstwahrnehmung aus. Daraus entwickeln sich Krankheitsbilder wie Essstörungen oder Depressionen, welche häufig in sozialem Rückzug enden und ein Gefühl der Sinnlosigkeit hervorrufen. Durch Neid auf das Leben und das Aussehen anderer sinkt die Akzeptanz der eigenen Person. Die Betroffenen fühlen sich in der realen Welt unwohl, da sie nicht dem Ideal entsprechen, das in den Sozialen Medien gezeigt wird. Dieses Phänomen ist auch unter dem Namen Social Anxiety (= soziale Phobie) bekannt.

Take care of your body. It’s the only place you have to live.

— Jim Rohn

Die Auswirkungen von Social Media auf das eigene Körpergefühl durch allgemein geltende und unrealistische Sch nheitsideale, die von der Gesellschaft vorgegeben werden, sind stark. Ein positives Körpergefühl ist eine grundlegende Voraussetzung für das eigene Selbstbewusstsein. Der schlechte Einfluss hat zur Folge, dass viele Menschen ein negatives Körpergefühl haben. Innerhalb der Sozialen Medien wird der Wert bzw. die Schönheit von Menschen anhand von Zahlen bemessen. Eine hohe Anzahl an Likes, Followern und Klicks sind ausschlaggebend, um als sch n, erfolgreich oder perfekt zu gelten.

Beauty begins the moment you decide to be yourself.

— Coco Chanel

Schönheit wird mit den visuellen Reizen eines Menschen in Verbindung gebracht. Allerdings sollte man beachten, dass sich Schönheit nicht nur auf  Äußerlichkeiten bezieht. Die inneren Werte und Eigenschaften eines Menschen spielen hierbei eigentlich die wichtigere Rolle. Etwas als sch n zu bezeichnen ist eine individuelle Bewertung und sollte im Auge des Betrachters liegen. Allgemein geltende Schönheitsideale führen zu einer verzerrten Selbstwarnehmung.

Diese wird in der Fachsprache auch Dymsorphophobie genannt. Hierbei hat man eine krankhaft verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körperschemas. Man entwickelt in seinem Kopf ein Bild des eigenen Körpers, das sich von dem Tatsächlichen deutlich unterscheidet. Das Körperschema ist ein räumliches Vorstellungsbild vom eigenen Körper und beschäftigt sich mit der eigenen Körperwahrnehmung. Das sogenannte Körperschema wird durch Erfahrungen und Emotionen beeinflusst. Dieses psychische Phänomen wird auch als Körperschemast rung bezeichnet. Die in der Psyche verankerte Störung lässt betroffene Menschen sich unwohl im eigenen Körper fühlen. Der größte Einflussfaktor auf unser Körperschema ist unser Umfeld, welches uns unser ganzes Leben begleitet. Dem Visuellen wird in unserer Gesellschaft zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, vor allem durch die Sozialen Medien wie Instagram und YouTube. Eine sch ne Figur steht in unserer körperorientierten Gesellschaft im Zentrum der sozialen Aufmerksamkeit. Auch Fernsehsendungen wie „Germanys next Topmodel“ suchen überwiegend „dünne“ und „schöne“ Mädchen. Aber wer definiert eigentlich, wer als sch n gilt? Jeder Mensch ist einzigartig, keinen gibt es zweimal und deshalb ist jeder Mensch auf seine besondere Art schön. Solche Werte sollte man seinen Zuschauern und Followern vermitteln. Stattdessen wird oft folgendes dargestellt: „Je dünner und beliebter man ist desto, „schöner sei man“. Darunter leidet das Selbstbewusst vor allem der Jugend von heute zeigen, dass Schönheit von innen kommt und dass die Körperakzeptanz essenziell ist. Heutzutage steht vor allem auf den sozialen Plattformen immer wieder der Begriff „Body-Shaming“ im Vordergrund.

To all the girls that think you’re fat because you’re not a size zero, you’re the beautiful one. It’s society who’s ugly.

— Marilyn Monroe

Body-Shaming bedeutet, eine Person aufgrund ihrer körperlichen Erscheinung zu beleidigen oder zu diskriminieren. Body-Shaming bedeutet nicht nur, Kritik an anderen auszuüben, sondern auch am eigenen Körper. Heutzutage wird man häufig im Internet beleidigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man zu „dünn“ oder zu „dick“ ist. Die Gesellschaft findet immer einen Grund, um jemanden zu kritisieren. Body-Shaming ist überall und wir werden in alltäglichen Situationen damit konfrontiert. Unsere Gesellschaft versucht uns immer wieder klarzumachen, wie bedeutend das äußere Erscheinungsbild sei. Ein einfaches Beispiel sind Zeitschriften, die auf dem Titelblatt Di ten und Schönheitskuren bewerben. Body-Shaming hat fatale Folgen für die Psyche eines Menschen. Die Betroffenen werden dadurch immer unzufriedener mit sich selbst. Es ist erforderlich, sich selbst zu lieben und zu akzeptieren, anstatt auf Hasskommentare von fremden Leuten zu achten. Körperakzeptanz geht Hand in Hand mit der Selbstakzeptanz und ist ein maßgeblicher Bestandteil im Leben, da man ohne sie auf Dauer nicht glücklich wird. Deshalb ist es heutzutage essenziell, nicht darauf zu hören, was andere Leute denken oder sagen, sondern sich auf das eigene Leben zu konzentrieren und so zu bleiben, wie man ist.

Your individuality is the most valuable thing you have.

— Martha Beck

Äußerlichkeiten sollten nur Nebensache sein und Menschen dürfen nicht auf ihr Aussehen reduziert werden. Es ist von großer Bedeutung, eine verzerrte Wahrnehmung von sich selbst und seinem Leben ernst zu nehmen. Vielen Menschen sind die Auswirkungen von Sozialen Medien auf die Gesundheit nicht bewusst. Ausschlaggebend ist, dass man sich so lieben kann, wie man ist. Dabei ist es notwendig, sich auf seine eigenen Werte zu fokussieren und nicht am allgemein geltenden Schönheitsideal festzuhalten. Die Individualität des Menschen ist das, was ihn besonders und sch n macht. Der Trend #bodypositivity setzt sich für die Abschaffung unrealistischer und diskriminierender Schönheitsideale ein. Die Forderungen gehen über die Themen Selbstakzeptanz und das eigene Körperbild hinaus. Body Positivity bedeutet, jedem Körper mit Respekt zu begegnen. Soziale Gerechtigkeit, Diversität und Anti-Diskriminierung spielen dabei eine große Rolle. Die #bodypositivity Bewegung stellt eine Gegen bewegung zu allgemein geltenden Schönheits idealen dar und gibt einen positiven Ausblick in die Zukunft. Sie Sie sorgt für eine Akzeptanz der Körpervielfalt und soll die Individualität des Menschen in den Vordergrund stellen. Anstatt den Körper zu verändern, Unsicherheiten oder Makel zu verstecken, gilt es, sich selbst anzunehmen.

To be yourself in a world that is constantly trying to make you something else is the greatest accomplishment.

— Ralph Waldo Emerson

Autoren: Laura-Sophie Simon, Viktoria Vogel