Was uns ausmacht? Unsere Werte. Werte bilden einen inneren Kompass. Nach diesem orientieren wir uns ein Leben lang. In Summe bilden unsere Wertvorstellungen ein Wertesystem. Einen Maßstab, der aus unseren grundlegenden Überzeugungen entsteht. Durch Verhaltensmuster, nach denen wir agieren, werden die bewusst oder unbewusst gewählten Werte repräsentiert. Meistens wissen wir jedoch gar nicht so genau, welche Werte uns begleiten, da sie unser Leben im Stillen prägen. Das liegt vor allem daran, dass wir nie wirklich explizit über diese reden. Unterschwellig lassen wir durchblicken, was uns gefällt oder missfällt. Erst wenn zwei von ihnen kollidieren, nehmen wir sie wieder bewusst wahr. Verletzte Wertvorstellungen werden für uns ein relevantes Thema. Unser eigenes schlecht zugängliches und nicht widerspruchsfreies Wertesystem stellt uns vor große Herausforderungen.

 

FREIHEIT – SICHERHEIT

Wir schränken unsere Freiheit unbewusst ein
Etwas erleben. Einfach mal Risiken eingehen. Das bedeutet für uns Freiheit. Die von uns ersehnte Freiheit wird durch das Bedürfnis nach Sicherheit eingeschränkt. Das Resultat: Wir stehen einem Konflikt der beiden Werte Freiheit und Sicherheit gegenüber. Dieser basiert auf der Grundlage von Angst. Angst, das vertraute Territorium oder gewohnte Verhaltensmuster zu verlassen. In der Psychologie wird diese Angst als Erlebensvermeidung bezeichnet. Wir versuchen, Ereignisse aufgrund unserer Erfahrung zu evaluieren, vorauszusagen und schließlich am Ende ganz zu vermeiden. Dies gibt uns ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle. Dabei beachten wir nicht, dass dieses Verhalten unseren Alltag maßgeblich einschränkt. Kontrolle ist somit nicht immer die Lösung, sondern häufig auch das Problem.

Hier bleiben wir, hier fühlen wir uns wohl
Der Konflikt von Freiheit und Sicherheit ist viel allgegenwärtiger als wir zunächst annehmen würden. Vor allem in einer Beziehung stellt uns dieser vor große Herausforderungen. Sicherheit in einer Beziehung bedeutet für uns Nähe, Geborgenheit, Ordnung, Struktur und Loyalität. Diese Bedürfnisse kollidieren jedoch mit unserem Verlangen nach Autonomie, Wandel und Veränderung. Innerhalb einer Beziehung laufen wir oft Gefahr, in Routinen festzustecken und in Langeweile zu versinken. Die Angst, die eigene Freiheit in Form von Impulsivität und Selbstverwirklichung zu verlieren, überkommt uns. Das Problem dabei: Mehr Freiheit bedeutet weniger Sicherheit und umgekehrt. Jeder von euch kann sich bestimmt in folgende Situation hineinversetzten: Ihr habt ein Jobangebot in einer anderen Stadt bekommen. Euer Partner kann allerdings aufgrund seiner beruflichen Situation nicht mit. Aus Angst, die Beziehung hält der Entfernung nicht stand, verzichtet ihr lieber auf das Angebot. Dieses Beispiel spiegelt eine von vielen Situationen wider, in denen wir lieber auf etwas verzichten, um kein Risiko einzugehen. Wir bleiben schlichtweg in unserer Komfortzone. Dort sind all unsere grundlegendsten Bedürfnisse befriedigt, warum sollten wir nun versuchen, diese aufzugeben?

 

Verlassen der eigenen Komfortzone
Damit wir über uns hinauswachsen können, müssen wir zunächst einmal unseren Hintern aus der Komfortzone hieven. Doch dies ist einfacher gesagt als getan. Um die sogenannte „Wachstumszone“ zu erreichen, müssen wir zuerst einmal zwei andere Zonen durchdringen. Es erfordert sehr viel Mut, uns in die erste, die „Angstzone“, zu begeben. Doch dieser wird belohnt. Nachdem wir mit viel Durchhaltevermögen in die „Lernzone“ gelangt sind, erwerben wir dort die Fähigkeiten, mit Herausforderungen umzugehen. Nach dieser Lernphase gelangen wir in eine neue Komfortzone. In unsere Wachstumszone, in der wir unsere Freiheit in Form von Selbstverwirklichung erlangen. Wir sind nun befähigt, alle Hürden – wie groß sie auch sein mögen – zu überwinden.

 

NACHHALTIGKEIT  –  ANERKENNUNG

Trendy Fast Fashion
Jeder von uns kennt die Situation: Wir stehen vor unserem überquellenden Kleiderschrank und finden dennoch nichts zum Anziehen. Rund 40% der Kleidung im eigenen Kleiderschrank wird selten bis gar nicht getragen. Doch woran liegt das? Durch die ständig wechselnden Trends und neuen Kollektionen in den Geschäften, kommen die eigenen Kleidungstücke schnell aus der Mode. Der Anschein entsteht, dass etwas Neues benötigt wird. Das Angebot an neuer Kleidung ist dabei riesig. Modegiganten wie H&M und Zara bringen 12-24 neue Kollektionen pro Jahr auf den Markt. Dank dieser Vielfalt an Mode können wir uns und unseren Modestil immer wieder neu entdecken und uns in neuen gesellschaftlichen Trends wiederfinden. Fast Fashion Mode ist zudem leicht erschwinglich, da Fast Fashion Ketten ihre Klamotten zu Billigpreisen anbieten. Diese nehmen wir Konsumenten leider dankend an.

 

Unser Nachhaltigkeitsbedürfnis leidet
Der Preis, den wir an der Kasse bezahlen, ist hierbei jedoch noch der geringste. Oft tragen wir unsere neu ergatterten Klamotten nur eine Saison lang. Nach maximal 3 Jahren sortieren wir sie aus unserem Kleiderschrank aus. 80% aller verkauften Kleidung landen früher oder später auf dem Restmüll. Davon werden nur 1% recycelt. Der Rest wird verbrannt. CO2 wird ausgesetzt. Obwohl uns bewusst ist welche negativen Konsequenzen dieses Kaufverhalten mit sich bringt und uns die schlechten Arbeitsbedingungen in der Modeproduktion bekannt sind, konsumieren wir sie trotzdem, die Fast Fashion. Wir konsumieren Mode in großen Mengen, um mit den wandelnden Trends mithalten zu können. Das Bedürfnis nach Anerkennung, der Wunsch in der Gesellschaft akzeptiert und bewundert zu werden, lässt unsere Nachhaltigkeit in weite Ferne rücken. Dabei sind Umweltaspekte und ein nachhaltiger Lebensstil im heutigen Zeitalter ein immer relevanteres Thema. Wir wollen umweltbewusst leben und handeln.

 

Nachhaltiger Umgang mit unserer Kleidung
Doch was können wir tun um dem Konflikt zwischen Nachhaltigkeit und Anerkennung zu entgehen? Besser noch, diesen gar nicht erst entstehen zu lassen. Wenn wir nun vor unserem überfüllten Kleiderschrank stehen und betrachten wie viele Klamotten sich dort befinden, die lange Zeit ungetragen dort lagen, sollten wir wieder damit anfangen unsere Kleidung wertzuschätzen. Falls wir jedoch das Bedürfnis verspüren einem neuen Trend nachgehen zu wollen, lohnt sich der Besuch in einem Secondhand-Shop, auf dem Flohmarkt oder online auf einer Secondhand-Plattform wie beispielsweise „Vinted“.

 

Ihr wollt mehr über diesen Konflikt erfahren? UNSER FILM-TIPP: „The True Cost“

Egal welche Werte wir vertreten und in uns tragen, früher oder später werden diese miteinander kollidieren. Das Gute daran? Es geht jedem einzelnen von uns so. Wertekonflikte sind das Resultat. Das Resultat von gelebten und geliebten Werten. Das Resultat einer Gesellschaft, die sich verändert, vielfältig und bunt ist.

Ihr befindet euch noch im Unklaren, welche WERTE euch bewegen? Dann schaut doch mal bei folgendem WERTEKOMPASS vorbei und erfahrt mehr über euch und eure WERTE!

Autoren: Pia Math, Anna Schuster