Was bedeutet FAANG?

 

Wir alle kennen sie und wir alle nutzen sie in unserem täglichen Leben: angefangen, wenn wir morgens auf unserem Smartphone die News checken, unsere Laufstrecke über die Fitnessuhr tracken oder das Infotainmentsystem unseres neuen Elektroautos mit Sprachsteuerung bedienen. Die Rede ist von Google, Facebook, Amazon und weiteren Techgrößen. Diese Unternehmen haben die digitale Welt im Sturm erobert und sind jetzt unangefochten an der Spitze der Weltwirtschaft angekommen.

Deswegen wird auch immer wieder von den sogenannten FAANG Unternehmen gesprochen, gemeint sind Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google. Immer wieder gibt es Diskussionen um die Monopolstellung der Technologiekonzerne, egal ob in Europa oder Nordamerika.

Dabei wissen viele Menschen nicht einmal, wie diese Unternehmen ihr Geld verdienen. Beispielsweise generiert Amazon einen Großteil des Gewinnes nicht im E-Commerce Bereich, sondern mit den Cloudangeboten von Amazon Webservices, diese werden auch von Unternehmen in Anspruch genommen. So nutzt zum Beispiel BMW die Dienste von Amazon Webservices und lagert damit Teile der IT Infrastruktur an Amazon aus.

Trotz des mittlerweile enormen Einflusses der Unternehmen auf unser Konsumverhalten, die Meinung der Menschen und auch auf große Teile der IT-Infrastruktur wissen viele nicht, wie weit der Einfluss dieser Unternehmen wirklich geht. Somit stellt sich die Frage, wie die Unternehmen mit dieser Verantwortung gegenüber der Gesellschaft umgehen und welche Einflussmöglichkeiten die Gesellschaft und der Staat auf die großen Konzerne haben.

Was ist Corporate Social Responsibility?

Eines der prominentesten Schlagworte zu diesem Thema ist die sogenannte Corporate Social Responsibility, kurz CSR. Das deutsche Bundesministerium für Arbeit und Soziales definiert den Begriff wie folgt: „Unter ‚Corporate Social Responsibility‘ oder kurz CSR ist die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens zu verstehen.“ Eine eingängige Definition, aber welchen Wert hat sie überhaupt? Seit diesem Jahr hat die EU eine Verschärfung der CSR Berichtspflicht eingeführt, um die Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung von Unternehmen des europäischen Marktes besser kontrollieren und vergleichen zu können. Das Problem mit dieser Regelung ist, dass sie erst am 01.01.2024 in Kraft treten soll. Bis dahin gelten noch weniger verpflichtende Standards für die Berichtspflicht der Unternehmen, die nicht von externen Instanzen überprüft werden müssen.

Wie wird CSR umgesetzt?

Wieso also sind viele Unternehmen trotzdem so aktiv, was ihre Corporate Social Responsibility angeht? Ganz einfach: Verantwortungsvolles Handeln auf sozialer und ökologischer Ebene eignet sich optimal als Marketinginstrument. Die gesellschaftlichen Entwicklungen haben dazu geführt, dass moderne Werte immer stärker in den Alltag eingebunden und in das gesellschaftliche Wertesystem integriert werden. Unternehmen können sich keine schlechte Publicity im Hinblick auf diese sozialkritischen Themen leisten. Weil es zu negativen Auswirkungen auf das Image und Employer Branding der Unternehmen führt und damit zu Umsatzeinbußen und Kursverlusten an der Börse. Deshalb wird versucht, Themen wie Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit, Datenschutz und vieles mehr in die Unternehmen zu implementieren, aber vor allem nach außen zu kommunizieren. Auf dem Papier zumindest. Denn wie will seriös kontrolliert werden, ob Google nur nachhaltigen Strom nutzt, unsere Daten nicht an Dritte weiterverkauft oder seine ca. 135.000 Mitarbeiter gleichberechtigt und genderneutral behandelt? Wir sind wieder am Punkt der Freiwilligkeit angelangt.

Welche Gefahren bestehen?

Das bekannteste Risiko besteht darin, dass die Technologiegrößen eine gewaltige Menge an personenbezogenen Daten sammeln, auswerten und auch nutzen. Außerdem sehen sie sich als Technologieunternehmen und nicht als Medienunternehmen. Deshalb fühlen sie sich nicht der Medienethik verpflichtet. Im Hinblick auf Fakenews oder Hasskommentare eine problematische Tatsache. Allerdings ist das für die Unternehmen auch keine einfache Situation, denn auf der einen Seite wird von den ihnen gefordert, bei extremen Inhalten einzugreifen, auf der anderen Seite ist es auch gefährlich, dass Unternehmen Inhalte filtern und damit beeinflussen, was die Nutzer sehen und was nicht. Damit wird erheblicher Einfluss auf unsere gesellschaftlichen Werte genommen.

„Es säht Zwietracht und schwächt unsere Demokratie“

— Frances Haugen

Ein tagesaktueller Punkt ist die Aussage der Facebook Whistleblowerin Frances Haugen vor dem Ausschuss des Europaparlaments. Sie begann ihre Rede mit: „[…], weil ich überzeugt bin, dass Facebook gefährlich für unsere Kinder ist. Es sät Zwietracht und schwächt unsere Demokratie.“ Sie hat offengelegt, dass Facebook wissentlich Kindern und Jugendlichen Inhalte anzeigt, die sie negativ beeinflussen und so die Verweildauer der Nutzer erhöhen. Dadurch werden die Werbeeinnahmen gesteigert. Bezeichnend dafür ist eine Abteilung eines großen Technologiekonzerns, die für die Überwachung von Selbstmordgefährdung abgestellt ist und bei Bedarf eingreifen kann. Auch wirft Haugen der Facebook-Führung vor, in einem ständigen Interessenkonflikt zwischen dem Gemeinwohl und den Unternehmensgewinnen zu stehen. Von internen Mitarbeitern kommt ebenfalls immer wieder Kritik, so zum Beispiel nach dem „Sturm auf das Kapitol“ am 6. Januar 2021. Facebook wird vorgeworfen, die Sicherheitsmaßnahmen, die während der US-Wahl getroffen wurden, überstürzt rückgängig gemacht zu haben. Das wiederum hat zu einem starken Anstieg von Falschinformationen geführt und soll somit den Sturm begünstigt haben. Marc Zuckerberg, der CEO von Facebook, sprach intern wohl von einem „dunklen Moment“ in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

„Es ist wahr, wir können diese Unternehmen nicht zwingen, das Richtige zu tun.“

— Luciano Floridi

Eine weitere Gefahr besteht durch den Vermögensüberschuss der Konzerne, denn das verdiente

Geld bleibt im kleinen Kreis der Technologieunternehmen.

Denn diese investieren in Technologie und die Entwicklung neuer Produkte. Sie können mit vergleichsweise wenigen Personen und Ressourcen wirtschaften. Das führt dazu, dass die reichen Unternehmen immer noch reicher und die Nutzer immer abhängiger von den komplexen digitalen Ökosystemen der Unternehmen werden. Dazu kommt noch, dass die Digitalkonzerne eher geringe Steuerabgaben zu bewältigen haben. Pläne der EU für eine stärke Besteuerung der Unternehmen mittels einer EU-Digitalabgabe sind ins Stocken geraten.

Welche Möglichkeiten bleiben?

 

Regulierung durch den Staat oder Selbstregulierung der Unternehmen mittels gesellschaftlichen Drucks sind die zwei Möglichkeiten, die uns als Gesellschaft zur Verfügung stehen. Die externe Regulierung stößt bei diesen Unternehmen teils an ihre Grenzen. Das liegt an der weltweiten Größe der Unternehmen, aber auch an ihren komplexen und intransparenten Organisationsstrukturen.

 

Eine Möglichkeit ist es, Technologieunternehmen an politischen Entscheidungen zu beteiligen. Beispielsweise laufen auf europäischer Ebene aktuell Gespräche über den Umgang mit künstlicher Intelligenz und darüber, welche Regulierungen sinnvoll wären. Allerdings findet diese Diskussion ohne Beteiligung der großen Unternehmen statt. Seltsam, wenn man bedenkt, dass sie die Technologie dafür liefern und die Regeln umsetzen müssen.

Denn bei allen Risiken sind diese Unternehmen essenziell für die Forschung und Entwicklung neuer Technologien, denn sie liefern das Kapital, das Know-how und die Umsetzung vieler zukunftsträchtiger Technologien.

 

 

Autoren: Nickolas Weinberger, Daniel Will