Im Jahr 2019, vor der Corona-Pandemie, waren in Deutschland mehr als 11 Millionen Menschen Mitglieder in Fitnessstudios. Dies ist in Deutschland jeder achte Mitbürger. Die Mitgliederzahlen entwickelten sich in den letzten Jahren exponentiell, die Sportstudioketten bauten ihre Konzepte immer weiter aus und die neuen Filialen sprossen aus dem Boden.Im Zuge der steigenden Corona-Infektionen mussten viele Sport- und Freizeiteinrichtungen bundesweit ab Mitte März 2020 schließen und öffneten nur für gewissen Zeiträume wieder.

 

Ein Großteil der heutigen Berufe wird sitzend ausgeübt. Deshalb suchen viele Leute in ihrer Freizeit einen Ausgleich und betreiben Sport. Viele Freizeitsportler besuchen ein Fitnessstudio, um den Bewegungsmangel auszugleichen. Sportliche Betätigung wird in der unserer Gesellschaft immer wichtiger da Zivilisationskrankheiten, wie Herz-Kreislauferkrankungen und Adipositas, immer mehr zunehmen. 

Durch regelmäßiges und technisch-korrektes Training in Kombination mit dem richtigen Mix aus Belastung und Erholung wird die physische Leistungsfähigkeit gesteigert. Beschwerden und Risikofaktoren werden vorgebeugt, Krankheiten vermieden und therapiert, sowie die Erholungsfähigkeit verbessert. Zusätzlich stärkt Krafttraining die allgemeine Muskulatur. Mehrere positive Effekte durch einen erhöhten Muskulatur-Anteil sind messbar, die Körperhaltung wird verbessert, sowie die Knochen geschützt. Muskeln besitzen ebenfalls eine entzündungshemmende Wirkung und tragen somit enorm zur allgemeinen Gesundheit des Körpers bei. Die Sauerstoffversorgung und die Durchblutung des Gehirns können durch regelmäßiges Ausdauertraining signifikant gefördert und verbessert werden, wodurch z. B. die Konzentrationsfähigkeit positiv beeinflusst wird.

 

Durch regelmäßiges Training und sportliche Betätigung erlangt man eine erhöhte psychische Fitness. Diese ist wissenschaftlich erwiesen ein „Puffer“ für emotionale Konflikte und psychische Erkrankungen. Eine erhöhte emotionalen Stabilität und Ausgeglichenheit können durch Sport gefördert werden. Aus diesem Grund ist Fitnesstraining inzwischen auch zu einer gängigen Therapieform bzw. Therapiekomponente bei Depressionserkrankungen und anderen mentalen Krankheiten geworden. Ein permanentes Empfinden von Traurigkeit und Ängsten kann durch Sport gemildert werden, es kann unser Befinden regulieren und unsere Stimmungslage nachhaltig positiv beeinflussen. Personen die regelmäßig trainieren besitzen oftmals eine positivere Einstellung zu ihrem Körper und damit ein gestärktes Selbstbewusstsein. Die regelmäßigen körperlichen Herausforderungen helfen bei der geistigen Leistungsfähigkeit auch außerhalb vom Sport. Das Empfinden einer sportlichen Anstrengung nimmt stark ab und durch die Erfolgserlebnisse steigt die Motivation. Man muss sich nicht mehr zum Sport „aufraffen“, sondern man geht gerne, da dieser mit positiven Assoziationen verbunden ist. Im Gegenzug wird auch der Umgang mit Rückschlägen verbessert und das Durchsetzungsvermögen erheblich gesteigert. Der SARS-CoV-2 Virus greift bei Menschen unter anderem das Nerven- und Immunsystem an. Bei sportlichen Personen, welche in Kombination zum Sport auf eine gesunde Ernährung achten, ist das Immunsystem resistenter als beim Durchschnitt. Dieses verstärkte Immunsystem kann bei einer Ansteckung mit dem Corona-Virus für einen gemilderten Krankheitsverlauf sorgen.

 

Wie litt die Psyche der Sportler unter der Schließung der Fitnessstudios?
Psychische Erkrankungen, die in der heutigen Gesellschaft ohnehin schon weit verbreitet sind, wurden durch die Corona Pandemie immens verstärkt. Im Frühjahr 2020 wurde die NAKO Gesundheitsstudie durchgeführt, um die psychischen Auswirkungen der Corona Pandemie an jungen bis mittelalten Mitbürger zu untersuchen. Unter 60-Jährige berichteten demzufolge über zugenommene Symptome von Angst und Depressionen, junge Frauen besonders stark. Aber auch der Anteil derjenigen mit moderat bis schwer ausgeprägte depressive Symptome stieg insgesamt von 6,4 auf 8,8 Prozent an. Die Befragung ergab außerdem, dass selbst-empfundener Stress in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern zunahm. Krankheiten wie Depressionen, Panikstörungen, Zwangsstörungen im Zusammenhang mit spezifischen Hygienevorschriften, klaustrophobische Ängste durch Ausgangsrestriktionen sowie das Erschöpfungssyndrom nach schweren Erkrankungen haben sich weiter in der Gesellschaft verbreitet. Durch die Schließung fehlt der mentale Ausgleich. Das „Abschalten“ ist für viele einer der Hauptgründe für einen Studiobesuch. Die sozialen Kontakte wurden auch durch die Schließung beeinträchtigt. Viele Menschen, die sich öfter in Sportstudios aufhalten finden einen enormen Zusammenhalt zwischen den Mitgliedern und sehen eine Möglichkeit soziale Kontakte zu pflegen.

 

Haben sich Schließungen körperlich ausgewirkt?
Durch die Schließung der Fitnessstudios wurden die Menschen dazu gezwungen, sich nach einer anderen Möglichkeit für ihren sportlichen Ausgleich umzuschauen. Durch die mangelnden sportlichen Aktivitäten kommt es nach kürzester Zeit zu einem verlangsamten Stoffwechsel, welcher zu einer Zunahme an Gewicht führen kann. Laut einer Studie zur Gewichtszunahme aufgrund der Corona-Pandemie der TU-München, haben die Befragten im Durchschnitt 5,6 Kilo zugenommen. Viele gaben hierbei an, dass durch Homeoffice und die fehlenden sozialen Kontakte die mentale Belastung zugenommen hat und sie somit weniger auf Ernährung und Sport geachtet hätten. Ein solcher Verlust der gesunden Aktivität führt zu vielen Nebenwirkungen, wie einem erhöhten Blutdruck, Blutzucker, einem schnelleren Versagen der Ausdauer, körperlichen Beschwerden, vor allem im Bereich des Rückens. Ein erhöhtes Risiko eines stärkeren Krankheitsverlaufs durch das geschwächte Immunsystem ist auch eine Auswirkung der mehr als einjährigen Schließung. Einer der Hauptgründe für eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio ist neben den gesundheitlichen Benefits, eine angestrebte Veränderung des körperlichen Aussehens. Sichtbar wird der mangelnde Sport durch Schwund des sportlichen Erscheinungsbilds und die schwindende Fülle in der Muskulatur.

 

Gibt es Alternativen für Sportler?
Viele Fitnessstudios haben ihr Online-Angebot von Kursen, Videos und Tipps & Tricks ausgebaut oder überhaupt erst aufgesetzt. Mitglieder können so durch regelmäßig Trainingsvideos eine neue Motivation und Reiz am Sport von Zuhause finden. Personen des öffentlichen Lebens im Bereich der Fitnessbranche, sogenannte „Fitness-Influencer“ gewannen auch immer mehr an Relevanz. Einen regelrechten Boom erlangten die „Content Creator“ die Videos der Trainingseinheiten anbieten. Egal welcher Sportstil oder welche Muskelgruppe trainiert werden sollte, hier konnte jeder die passende Motivation finden. Auch Outdoor-Trainingsanlagen wurden durch die Pandemie immer beliebter. So konnten viele eine Alternative zum Sport in Fitnessstudios finden, man musste jedoch selbst aktiv werden, um sich körperlich zu betätigen.

 

 

 

Autoren: Dominik Haberer, Tobias Feldbinder