Kreativität und künstlerischer Ideenreichtum hängen für uns häufig zusammen. Dabei ist Kreativität nicht nur auf Berufsgruppen wie Künstler, Designer oder Musiker beschränkt. Vielmehr ist Kreativität ein Teil unseres alltäglichen Lebens. Ohne es zu merken, treffen wir jeden Tag kreative Entscheidungen, die unser Leben bestimmen. Aber natürlich gibt es Unterschiede zwischen der Kreativität eines Künstlers und unserer Kreativität im Alltag.

 

DAS 4-C MODELL DER KREATIVITÄT
Auf diese Unterschiede geht auch das 4-C Modell der Kreativität ein (C=Creativity). Untersuchungen der Kreativität werden traditionell in zwei Richtungen unterteilt. Zum einen fokussiert man sich auf die besondere Kreativität eines Künstlers, die sogenannte Big-C Kreativität. Zum anderen wird die alltägliche Kreativität einer durchschnittlichen Person im täglichen Leben betrachtet, die Little-C Kreativität. Um diese Unterteilung zu spezifizieren, haben der US-Psychologe James C. Kaufman und Ronald A. Beghetto das “4-C Modell der Kreativität” entwickelt. Sie fügten den beiden Kategorien ein Mini-C und ein Pro-C Level hinzu.

In diesem Modell kann die Kreativität als Lebenszyklus verstanden werden. Sie beginnt auf dem Mini-C Level und kann durch Weiterentwicklung bis zum Big-C Level heranwachsen. Dieser Weg wird anhand des Beispiels von Wolfgang Amadeus Mozart verdeutlicht.
Doch wie genau lassen sich diese Level voneinander unterscheiden?

 

Mini-C Level:
Hier handelt es sich um das persönliche Level der Kreativität. Jedes Mal, wenn wir eine Aufgabe zum ersten Mal lösen oder eine Fähigkeit neu erlernen, ist das ein Teil der Mini-C Kreativität. Es ist nicht revolutionär, hat jedoch eine große Bedeutung für uns selbst und unsere persönliche Entwicklung.
z.B. Mozart spielt zum ersten Mal auf dem Klavier.

 

Little-C Level:
Der Little-C Ansatz beschäftigt sich mit der alltäglichen Kreativität eines normalen Menschen. Für alltägliche Probleme finden wir kreative Lösungen dank Erfahrungswerten und Feedback. Im Gegensatz zum Mini-C Level kann unser geschaffenes Werk auch für andere einen bestimmten Wert haben.
z.B. Mozart schreibt eigene Musik, die seinen Freunden gefällt.

 

Pro-C Level:
Nach jahrelangem Üben und Sammeln von Erfahrung können wir nun ein professionelles Level an Kreativität erreichen. Es ist nun die Rede vom Pro-C Level der Kreativität. Menschen auf diesem Niveau können zum Teil ihren Lebensunterhalt mit ihrer Kreativität verdienen.
z.B. Mozart ist ein anerkannter Musiker seiner Zeit. Seine Musik verbreitet sich, wird vielerorts gespielt und von vielen Menschen geschätzt.

 

Big-C Level:
Für den Big-C Ansatz ist ein herausragender, kreativer Beitrag mit sozio-kulturellem Einfluss notwendig. Kreative Leistungen auf diesem Level sind auch noch über Jahre hinweg von großer Bedeutung und haben eine Relevanz für die Nachwelt.
z.B. Auch Jahrhunderte nach seinem Tod wird Mozart noch als musikalisches Genie angesehen, der die Musik entscheidend geprägt hat. Opern wie “Die Zauberflöte” sind weltberühmt und werden in Konzerthäusern weltweit gespielt.

 

KREATIVITÄT IN DER MUSIK
Kreativität lässt sich nicht nur auf künstlerische Tätigkeiten übertragen, dennoch ist uns diese kreative Form sehr vertraut. Insbesondere in der Musik können wir das kreative Potential eines Einzelnen oder einer gesamten Band erkennen. Wer Musik macht, muss definitiv ein kreativer Mensch sein, das steht außer Frage. Doch wie genau hängt für Musiker denn Musik und Kreativität zusammen?

Wir haben bei zwei professionellen Musikern aus Ulm nachgefragt.

 

JOO KRAUS
Der 54-jährige Jazz-Trompeter aus Ulm ist bis weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekannt. Joo Kraus erhielt unter anderem den Echo Jazz als bester deutscher Trompeter und 6 German Jazz Awards in Gold. Auch international hat es Kraus geschafft, musikalisches Ansehen zu erlangen.

 

Warum machst du Musik?
Ich glaube einfach, dass es gut ist für die Menschen, wenn Musik gemacht wird. Also ganz praktisch: ich übe, spiele ein Konzert und nach dem Konzert glaube ich, dass es den Leuten besser geht als vor dem Konzert.

 

Was bedeutet für dich Kreativität?
In dem Moment, in dem ich kreativ bin, gehen irgendwo im Herz oder Gehirn die Türen auf und irgendwas kommt in mich rein. Meine Kreativität hat immer mit Inspiration von außen zu tun. Was ich daraus mache hängt von mir selbst ab.

 

Wo spürst du in der Musik die Kreativität am meisten?
Natürlich beim Improvisieren im Jazz – da ist der kreative Moment der Wahnsinn. Ich spiele zwar über eine bestimmte Form, aber im Chorus kann ich quasi machen was ich will. Improvisieren ist ja nichts anderes als im Moment zu komponieren, nur ohne es aufzuschreiben.

 

Spürst du, wenn du kreatives Potential hast?
Auf jeden Fall. Meine musikalischen Ideen kommen nie dann, wenn ich gerade dafür Zeit habe. Die Kreativität hat ein Eigenleben – so wie eine Katze. Sie kommt dann wenn man nicht daran denkt, wenn man sie außer Acht lässt.
Zitat: “Musik ist meine Welt der Kreativität. Kreativität ist für mich Lebendigkeit.”

 

PETER LAIB
Auch Peter Laib begann seine musikalische Karriere als Trompeter eher er vier Jahre später auf die Tuba wechselte. Der 37-Jährige ist Gründungsmitglied der HipHop-Brassband Moop Mama und festes Mitglied des Blasorchesters “Ernst Hutter & die Egerländer Musikanten – Das Original”.

 

Warum machst du Musik?
Meine größte Motivation ist die Liebe zur Musik. Einerseits möchte ich Menschen damit glücklich machen. Andererseits berührt mich die Musik aber auch selbst und ich bekomme davon Gänsehaut.

 

Was bedeutet für dich Kreativität?Kreativität hat für mich viel mit Erfahrung zu tun. Alle meine Erfahrungen sind in einem Topf und daraus lasse ich dann was Neues entstehen. Egal ob in der Musik oder in alltäglichen Situationen.

 

Wo spürst du in der Musik die Kreativität am meisten?
Natürlich beim Komponieren aber auch beim Üben. Beim Üben versuche ich mich kreativ mit dem Stück zu beschäftigen. Dabei singe ich bestimmte Passagen, achte auf die Atmung oder unterteile das Stück in einzelne Takte.

 

Spürst du, wenn du kreatives Potential hast?
Ich weiß genau, wann ich am kreativsten sein kann. Das geht am besten in Momenten mit viel Ruhe und Entspannung, wie beim Spazieren im Wald. Wenn ich z.B. musikalische Ideen brauche, pfeife ich vor mich her. Wenn dabei eine neue Melodie entsteht, die ich nicht kenne, nehme ich das direkt mit dem Handy auf.
Zitat:   “Musik ist die schönste und verständlichste Sprache der Welt, die nicht nur das Trommelfell, sondern den ganzen Körper ins Schwingen versetzt.”

 

KREATIVITÄT IM ALLTAG
“Dazu bin ich nicht kreativ genug.” Diesen Satz haben wir wohl alle schon einmal gesagt und auch von Freunden gehört. Doch in uns allen schlummert genug kreatives Potential, das wir nur entfalten müssen. Jeder entfaltet dieses Potential auf andere Art und Weise. Doch auch im Alltag können wir lernen, kreativ zu sein. Für alle, die noch an ihrer eigenen Kreativität zweifeln, haben wir hier deshalb ein paar Tipps, die eigene Kreativität anzukurbeln. Wir können schließlich nicht als Big-C Talent geboren werden. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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Autoren: Maximilian Stegmaier, Maximilian Wegele