Ikigai (jap. 生き甲斐)

 

2018 lag die Studienabbruchquote in den Bachelorstudiengängen an Hochschulen in Deutschland bei 27 %, so der Bildungsbericht “Bildung in Deutschland 2020” des Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung.

Ein Semester erfolgreich zu bestehen, bedeutet 30 ECTS Punkte zu erbringen. Das entspricht ca. 30 Stunden Vorlesung in der Woche. Dazu kommen weitere Stunden für Gruppenarbeiten, sowie Einzelprojekte. Im gesamten Semester kommt man dabei zu einem Workload von mindesten 750 Stunden.

Um Miete und Essen zu bezahlen, haben viele Studierende zusätzlich eine Werkstudententätigkeit, die sie meist weitere 20 Stunden in der Woche in Anspruch nimmt. Auch Freunde, Familie und Hobbies benötigen Zeit.

Durch diesen Leistungsdruck zweifeln viele am Zweck ihrer täglichen Bemühungen und hinterfragen ihren eingeschlagenen Weg.

Wir präsentieren: IKIGAI – Die Methode, um deinen Lebenssinn im Alltag zu erkennen und jeden Tag mehr in die Richtung deiner Ziele zu arbeiten.

 

Was ist Ikigai und wie funktioniert es?

Ikigai ist eine japanische Lebensphilosophie. Es hilft dir dabei, wegweisende Entscheidungen zu treffen. Iki steht für das Leben, gai für den Sinn, das was Menschen antreibt. Kurzgefasst: Ikigai ist das, wofür es sich zu leben lohnt. 

Das Konzept des Ikigai lässt sich am besten in einer Zeichnung darstellen. Es besteht darin vier grundlegende Bereiche des Lebens festzuhalten. Diese Bereiche werden durch sich ineinandergreifende Kreise gezeichnet. Die Schnittmenge aller vier Bereiche bilden dein IKIGAI. Dein Lebenssinn, der zentrale Punkt, indem du Zufriedenheit und Glück findest.

 

Langes Leben durch Ikigai

Die Bewohner der japanischen Insel Okinawa leben nach dem Ikigai Prinzip. Diese gehören weltweit zu den ältesten und gesündesten Menschen.

 

Die vier Grundbereiche

  1. Das, was ich besonders gut kann
  2. Das, was ich liebe
  3. Das, wofür ich aktuell bezahlt werde oder bezahlt werden könnte
  4. Das, was die Welt braucht

 

Diese Fragen solltest du mit kurzen Bezeichnungen beantworten, die auf dich zutreffen. Das mag zu Beginn recht einfach wirken. Versuche die ersten Zweifel außen vor zu lassen und suche nach einer ehrlichen und gut überlegten Antwort. Gehe Kreis für Kreis alle Bereiche durch. Am Ende dieses Artikels findest du zusätzlich eine Übung.

 

Was kann ich besonders gut?

Überlege dir, in welchem Bereich deine Stärken liegen. Im Allgemeinen sind wir Menschen eher dazu geneigt sich auf die negativen Aspekte zu fokussieren. Achte darauf, selbstkritisch zu sein, aber nicht selbsterniedrigend. Diese Einstellung wird dich vorantreiben und dir helfen zu erkennen, wo Veränderungen in deinem Leben notwendig sind.

 

Was liebe ich?

Diese Frage bezieht sich auf deine Leidenschaft. Etwas, dass du über mehrere Stunden ausüben kannst, ohne dich im Anschluss mental oder physisch ausgelaugt zu fühlen.

Übst du deine Leidenschaft aus, kommst du leicht in den Flowstate. Dieser ist ein Zustand, in dem man sich befindet, wenn die Arbeit sich mit einer Leichtigkeit erledigen lässt. Ein Geisteszustand voller Energie und Tatendrang.

 

Was braucht die Welt?

Schau in deinem direkten Umfeld nach. Was braucht deine Welt? Gibt es womöglich ein Problem, bei dem du helfen kannst?

So erkennst du die Sinnhaftigkeit in deiner Tätigkeit. Hier kann von einer Art Mission gesprochen werden. Manche Menschen setzen sich für den Tierschutz ein, während andere ihren Beruf mit einem Ehrenamt stützen.

 

Womit verdiene ich mein Geld?

Wie schön wäre es, zu diesen Menschen zu gehören, die ihre Arbeit lieben. Die morgens aufstehen und Lebenszeit nicht von Arbeitszeit trennen. Du könntest dich deiner Arbeit mit Freude hingeben.

Im besten Fall überschneiden sich die Dinge, die man gut kann und gerne macht mit dem Beruf. So lieferst du gute Ergebnisse und hast die besten Voraussetzungen für Erfolg.

 

Wenn du all diese Fragen entsprechend ehrlich für dich beantworten kannst, kommst du nicht nur deinem Ikigai näher, sondern auch deiner wahren Persönlichkeit. Denn die Persönlichkeitsfindung und dein Ikigai sind eng miteinander verbunden.

Was mache ich, wenn mein Ikigai unvollständig ist? 

Es ist gut möglich, dass du nicht zu allen Punkten eine Überschneidung in deinen Antworten erkennen konntest. Das Konzept des Ikigai sieht den Menschen als ein Ganzes. Wie ein Haus mit vier Säulen. Sollte eine Säule fehlen, ist es gut möglich, dass das Haus zwar steht aber nie so wirklich standfest ist und sich unvollkommen anfühlt.

 

Siehe hier was du machen kannst, wenn dir ein bestimmter Bereich fehlt:

Die Methode des Ikigai will dir in keiner Weise etwas vorschreiben. Du kannst das Ikigai als Wegweiser sehen, der dir dabei hilft, den kürzesten Weg zu deinem Ziel zu erkennen. Finde heraus, an welchem Punkt in deinem Leben du gerade stehst. Entdecke Seiten an dir, an denen du vielleicht noch etwas arbeiten musst. Wichtig ist, dir selbst stets treu zu bleiben und auch mal Risiken einzugehen. Reflektiere dich selbst und erkenne, wer du wirklich bist und was du vom Leben erwartest.

 

Übung – Wie wird Ikigai angewandt?

Such dir einen ruhigen Ort und nimm dir ca. eine Stunde Zeit. Versuche dir zu jeder der vier Fragen ernste Gedanken zu machen. Du solltest nicht das Erste aufschreiben was dir in den Sinn kommt. Denn das Ziel beim Ikigai ist es, seine Weltanschauung zu überdenken. Dadurch hast du die Möglichkeit, ehrliche Antworten zu entdecken, statt Gewohnheiten aufzuzählen.

Vergiss nicht, dabei so konkret wie möglich zu werden. Nehmen wir z.B. das Hobby Joggen. Was genau liebst du daran? Ist es das Gefühl danach ausgepowert zu sein oder das “Runner´s High” was dir daran gefällt? Falls du bei einigen Fragen nicht weiterkommst, wende dich an Freunde und Familie.

 

  1. Was kann ich besonders gut?
  • Was fällt mir leicht?
  • Was denken andere, welche Fähigkeiten mich ausmachen?
  • Bei welchen Themen fragen dich Freunde und Kollegen um Rat?
  • Was konnte ich bereits als Kind oder in meiner Jugend gut?
  1. Was liebe ich?
  • Welches Hobby übe ich mit Begeisterung aus?
  • Wobei wird mir nie langweilig?
  • Was hast du vielleicht schon als Kind gern gemacht – und machst es bis heute gerne?
  • Was begeistert mich (auch wenn ich es noch nicht perfekt kann)?
  1. Was braucht die Welt?
  • Was fehlt den Menschen? Kann ich etwas Neues erschaffen oder der Welt etwas hinterlassen?
  • Welche Probleme kann ich lösen? (Denke daran, dass bereits kleine Schritte dazu beitragen, etwas Großes zu bewirken)
  • Für welchen Bereich möchte ich mich einsetzen?
  • Würde jemandem etwas fehlen, wenn ich meine Tätigkeit jetzt beende?
  1. Womit verdiene ich mein Geld?
  • Womit verdiene ich aktuell mein Geld? Mit welchen Fähigkeiten könnte ich Geld verdienen?
  • Was sind meine sonstigen Einkommensquellen?
  • Habe ich anderen helfen können und würde es Menschen geben, die mich für diese Hilfe bezahlen würden?
  •  Kennst du Menschen mit ähnlichen Talenten wie deine eigenen? Was machen sie beruflich?

Weitere Tipps:

Wenn du bei der Suche deines Ikigai nicht weiterkommst, wird es Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Folge dabei stets deiner Neugier. Versuche es mit einem neuen Hobby, arbeite in einem neuen Job oder suche dir neue Freunde. Je mehr Erfahrungen du machst, desto näher gelangst du an dein Ikigai.

 

 

Fun Fact:Wenn du für etwas Neues drei Monate investiert, sind es bei 25 Jahren nur 1% deiner Zeit.

 

 

  • Versuche es mit einem neuen Sport:  Über die Hochschule Neu-Ulm kannst du dich auch für die Sportkurse der Universität Ulm anmelden. Infos unter: www.sport.uni-ulm.de
  • Verbringe Zeit in der Natur: Finde schöne Wanderwege wo auch immer du dich befindest mit der App „Komoot“.
  • Nimm dir Zeit für dich: Versuche es mit einer Meditation. Zum Entspannen kann dir die App „Calm“ helfen.

 

Buchempfehlungen:

  • “Ikigai: Gesund und glücklich hundert werden” von Francesc Miralles und Héctor García
  • “Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück” von François Lelord
  • Sorge dich nicht – lebe! von Dale Carnegie

 

 

 

Autoren: Sarah Schmirander, Tamara Pavlovic