Wenn der Fluss versiegt

Namibia leidet unter einer extremen Dürreperiode, die Flüsse sind versiegt. 1981 erlebte Namibia die „Dürre des Jahrhunderts“. Heute, nur knappe 40 Jahre später, ist das Land mit einer weiteren und viel dramatischeren Trockenheit konfrontiert: Es ist die heftigste Trockenzeit seit 100 Jahren. Dürren sind in dem Land im Südwesten Afrikas nicht ungewöhnlich, dieses Jahr aber bedroht sie die Existenz von Mensch, Tier und Natur. Die letzte Regenzeit brachte bei weitem nicht genug Wasser und bereits im Mai diesen Jahres rief die Regierung den Notstand aus.

Die rund 2,5 Millionen Einwohner leben größtenteils von Landwirtschaft und Rinderzucht und kämpfen nun um ihre Existenzgrundlage. Auch die vielfältige Tierwelt Namibias kommt an ihre Grenzen. Vier Beispiele, wie die Bewohner Namibias von der Naturkatastrophe betroffen sind, wie sie damit umgehen – und warum sie die Hoffnung nicht aufgeben:

Ausgetrocknete Landschaft

Grüne Wiesen, saftige Gräser oder majestätisch aufragende Palmen sucht man vergeblich. Die Landschaft flimmert braun und gelb in der Sonne, sämtliche Pflanzen sind völlig vertrocknet. Die Hauptregenzeit von Dezember bis März bringt normalerweise eine Gesamtniederschlagsmenge von bis zu 250mm – genug, um das Land zum Blühen zu bringen. Diese ohnehin geringe Niederschlagsmenge blieb 2019 größtenteils aus und verwandelte die grüne Buschlandschaft in eine trockene, braun-gelbe Szenerie. Doch die Natur ist zäh: bereits der schwächste Nieselregen lässt die Pflanzen schlagartig aufblühen. Kleine Triebe sprießen, Gräser schimmern grün und die Natur schöpft neue Kraft.

Tiere leiden Hunger und Durst

Namibia birgt eine große Artenvielfalt: Löwen, Giraffen, Leoparden, Elefanten, Nilpferde, Büffel, Vögel und Antilopen sind in der vielseitigen Natur zuhause. Ohne Wasser kämpfen sie um ihr Überleben. Einerseits benötigen sie Wasser zum Trinken. Da viele Wasserlöcher ausgetrocknet sind, gestaltet sich diese Suche schwierig und die wenigen vorhandenen Wasserstellen sind umkämpft. Vor allem aber fehlt es am Fressen. Sämtliche Pflanzen fallen als Futterquelle weg, etwaige Beutetiere bieten kaum fettes Fleisch und zur ausdauernden Jagd fehlt ohnehin die Kraft. Farmer füttern die Wildtiere, doch selbst das reicht nicht aus, um viele Tiere vor dem Hungertod zu bewahren. In der Folge magern alle Tiere ab, sind zu schwach, um sich auf den Beinen zu halten. Die Haut über die bloßen Knochen gespannt, warten sie auf den erlösenden Regen.

Friedliches Zusammenleben

Der Kampf ums Überleben muss nicht gewaltsam sein. Den Tieren Namibias gelingt ein friedliches Zusammenleben, das ohne die große Wassernot nicht möglich wäre. An einem einzigen Wasserloch versammeln sich alle Tiere: Elefanten neben Straussen, Giraffen und Löwen einträchtig nebeneinander, kleine Vögel zu ihren Füßen. Alle vereint in ihrer Suche nach dem Wasser, dem Leben. Was unglaublich klingt, ist das Ergebnis dieser Naturkatastrophe. Sie ist schlimm, sorgt aber auch für besondere Augenblicke.

Bedrohte Menschen

Nicht nur die Tiere leiden Durst, auch bei den Menschen wird das Wasser knapp. Der Grundwasserspielgel Namibias ist niedrig. Noch ist die Wasserversorgung für einen Großteil der Bewohner jedoch gesichert. Gefahr geht auch von Wildtieren aus, die von den bewässerten Gärten angelockt werden und die Nähe zu den Häusern suchen.

Aber es sind die Farmer, die in existenzieller Not sind. Zu der großen psychischen Belastung kommen finanzielle Probleme hinzu: Die Rinder verhungern, tausende Tiere werden notgeschlachtet. Für die Farmer sind ihre Rinder die Existenzgrundlage. Ohne die Tiere und den Gewinn aus deren Verkauf geht ihnen das Geld aus. Weil viele von ihnen ihre Rinder verkaufen müssen, gibt es ein Überangebot am Markt, die Preise sind um 60% gesunken. Hinzu kommt, dass die Rinder an Gewicht verlieren. Gleichzeitig steigen wegen der schlechten Ernte die Futterpreise rasant an. In der aktuellen Dürreperiode geht es für die Farmer Namibias ums nackte Überleben.

Doch die Menschen tun, was sie können – für sich und die Natur. Grünflächen werden bewässert, um den Boden vor der Zerstörung zu schützen. Wildtiere werden gefüttert und Wasserstellen künstlich angelegt. Alle andere Arbeit ist unwichtig, man kümmert sich umeinander. Bis die Flüsse in Namibia wieder fließen, bleibt die Hoffnung. Auch nach der letzten schweren Dürre brachte ausgiebiger Regen wieder Leben ins Land. Darauf hoffen die Farmer auch dieses Jahr. Sie sind überzeugt: „Die Natur wird sich nicht selbst ausrotten“.